Gedanken zur Digitalisierung in Deutschland

Thomas Falk hat die Tage auf einer Veranstaltung einige Thesen rausgehauen, wie sich Deutschland mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen muss.
Dabei fallen gute, wenn auch keine neuen Punkte. Beispielsweise das Thema Bildung. Für alle, die sich irgendwie in dem Business tummeln oder die Zeichen der Zeit gehört haben, dürfte es unerklärlich sein, warum in der Schule Informatik einen so geringen Stellenwert hat und warum es in Universitäten nicht wesentlich mehr Entrepreneurship-Programme gibt. Das sind Hebel, da muss angesetzt werden.

Unabhängig davon, was in Amerika passiert – oder China.
Ja, es ist immer leicht Vergleiche zu anderen Nationen zu ziehen und sicherlich macht es Sinn, sich woanders „Vorbilder“ zu suchen oder besser Inspirationen. Adaptieren lässt sich das aber nie – Gesetze und Grundordnungen sind da und können nicht (immer) grundlegend geändert werden, eine Kultur änderst du genauso wenig. Die Größe eines Landes ist eh nicht veränderbar (also die Relation der Einwohner von USA, China und Deutschland). Allein deshalb ist es nachvollziehbar, wenn in einem wesentlich größeren Land mehr VC’s beheimatet sind. Die Vergleiche polarisieren, sagen aber wenig aus.

In meinen Augen genauso, wie der Blick auf die kommenden Schwerpunktthemen. Falk zählt fünf auf:

  • KI
  • Drohnen
  • 3d printing
  • AR/VR
  • Blockchain

Wenig überraschend – diese Blöcke werden seit einiger Zeit global voran getrieben. Ja, Deutschland muss sich auch hier positionieren. Aber andere Länder auf den Gebieten einzuholen dürfte allein auf Grund der aktuellen Basis fast unmöglich sein. Cleverer wäre ein Fokus auf kleinere Themengebiete oder andere für Deutschland noch relevantere Themen. Sich auf Felder zu stürzen, die von den großen Playern beackert werden, ist eine Riesenaufgabe. Wie gesagt, die Themen müssen angegangen werden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Aber um aufzuholen, müssen wir im Land kreative Wege gehen – und genau hier brauchen wir die Unterstützung von Politik und Wirtschaft.

Die Kultur ändert sich bereits mit meiner und den kommenden Generationen. Thema New Work und wie Arbeitnehmer ihren beruflichen Werdegang wahrnehmen. Diesen Weg schlagen wir ein und hier wird es automatisch Veränderungen geben. Hoffentlich schneller, als langsamer.
Wenn Deutschland aber ein digitaler Wirtschaftsstandort sein soll, muss mehr kommen.

Falks Thesen helfen hier sicherlich und die Rede hat (was ich aus der teilweisen Abschrift kenne) zwei augenöffnende Beispiele:

Nehmen wir einfach mal an, rein hypothetisch, es würde in den USA einen Präsidenten geben, der sein Land über Twitter regiert und ihm würde eines Abends einfallen die Dienste von Google, Facebook, Amazon und Apple in Europa über Nacht zu untersagen, weil Europa zum Beispiel die Strafzölle nicht zahlen möchte?
Die Antwort: 90 Prozent der Smartphones würden nicht mehr funktionieren (70% Android & 20% iOS), 95 Prozent der Suchanfragen würden nicht beantwortet und 95 Prozent der Internetwerbung nicht ausgeliefert. 46 Prozent des E-Commerce würden wegfallen, wenn Amazon nicht in Deutschland liefert. Das sind ernüchternde Zahlen, wenn deutlich wird, wie ganze Märkte in Deutschland von US-Unternehmen kontrolliert werden.

Als Venture Fund rechnen wir, dass von 100 Investments ungefähr 70 Konkurs gehen, 20 bringen das investierte Kapital zurück und 9 bringen 3x-10x den Return on Investment. Lediglich einem „Unicorn“ gelingt es, das 100-fache des Funding-Volumens zu erzielen. Und uns damit zu erlauben, die nächste Generation von Gründern zu fördern.
Ein Düsseldorfer Steuerprüfer konnte nicht glauben, dass jemand freiwillig sein Geld in Firmen investiert von denen man 70 Prozent abschreibt und war überzeugt, wir würden Geldwäsche betreiben.

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