Für mehr odotellaan

Daniel Fiene besinnt sich nach einer Lektüre eines alten Buches rund um das Thema Bloggen wieder ein wenig den Anfängen des „ins Netz schreiben“. Es muss nicht alles lange erläutert und erklärt wird. Es darf auch mal schnell was rausgehaun werden – kommentierte Links, kurze Gedanken und mehr.

Das passt ganz gut zu mir und meiner Lebenssituation. Ich schreibe es nicht zum ersten Mal, aber die Zeit für’s Bloggen schwindet mehr und mehr. Das ist OK, da ich diese Priorität aus vollster Überzeugung gesetzt habe. Und doch schade, weil gute Gedanken manchmal dahinfliegen, weil einfach die Zeit fehlt. Teilweise liegen Gedanken monatelang in Evernote rum und werden am Ende ungeschrieben abgehakt, weil es nun doch nicht mehr passt.

Das muss sich nicht ändern, kann es aber.
Was auch helfen würde meine „Bloggen ToDo-Liste“ zu kürzen.

Irgendwann im April bin ich über diesen Artikel gestolpert.

Ein solches Anschweigen am Anfang eines Besuches, eine Art zwischenmenschliche Schweigeminute, nennt meine Mutter odotellaan – rumstehen und zuwarten. Jedes Mal, wenn sie die Nachbarn ihres Sommerhauses besucht, stehen alle erst mal unentschlossen im Flur rum und praktizieren odotellaan. Statt wie sonst überall auf der Welt eine zwanglose Bemerkung zu machen – «Morgen soll es kälter werden» oder «Wie geht es den Kindern?» –, sagt man einfach nichts. Der deutsche Mann meiner Mutter hält das meistens genau sieben Sekunden aus, dann läuft er raus und raucht Pfeife. Meine Mutter sagt: Man muss doch erst mal ankommen und miteinander warm werden, bevor man etwas sagt.

Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, sagt man lieber nichts.

Oma aika nennt man in Finnland die Zeit, die man mit sich selbst verbringt, in der das ewige Gequatsche ein Ende findet. Eigenzeit

Das würde mir manchmal gut tun, wenn ich mich hinreißen lasse zu Herzthemen doch deutlicher zu werden, als ich möchte und damit lieben Menschen vor den Kopf stoße.
Dabei mag ich die Ruhe.
Ich kann wunderbar schweigen – das treibt das Umfeld sicherlich gern mal in den Wahnsinn.
Selbst bei Freunden habe ich irgendwann ein komisches Gefühl und den Drang etwas sagen zu müssen. Was in Smalltalk endet.
Dabei wäre Ruhe in den hektischen Tagen doch wesentlich angenehmer.
Manchmal.

Für mehr odotellaan – erst recht jetzt in der besinnlichen Zeit.

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